Tarot · Große Arkana XVIII

Der Mond (XVIII) im Tarot: Bedeutung, aufrecht und umgekehrt

Ein großer Mond mit nachdenklichem Gesicht steht am Himmel und lässt Tropfen herabfallen. Darunter heulen ein Hund und ein Wolf zu ihm hinauf, aus einem Teich kriecht ein Krebs ans Ufer, und ein schmaler Weg führt zwischen zwei Türmen in die Ferne. Im Marseille-Tarot ist die Szene sehr ähnlich. Der Mond ist die Karte der Ungewissheit und der Fantasie: Träume, Ahnungen und Dinge, die im Halbdunkel anders aussehen als bei Tag.

In der Tradition

Traditionell wird der Mond als Unklarheit, Intuition und Traumwelt gelesen. Er beschreibt Zeiten, in denen nicht alles eindeutig ist, in denen Gefühle wechseln und die Fantasie Bilder malt, die mal inspirieren und mal verwirren. Der Hund und der Wolf werden oft als das Gezähmte und das Wilde in dir gedeutet, der Krebs als etwas Tiefes, das langsam ins Bewusstsein steigt. Nach dem Stern, der Hoffnung schenkt, führt der Mond durch eine Strecke, auf der man sich mehr auf Gefühl als auf Sicht verlässt. Vor der Sonne, die alles klar zeigt, ist er die Nacht vor dem Morgen. Der Weg zwischen den Türmen zeigt, dass es trotz allem einen Pfad gibt, auch wenn man ihn nur Schritt für Schritt erkennt. Im Golden-Dawn-System gehört er zu den Fischen.

Umgekehrt

Umgekehrt beginnt sich der Nebel zu lichten. Was unklar war, wird langsam greifbarer, und eine Ahnung bestätigt sich oder löst sich auf. Die umgekehrte Karte kann aber auch beschreiben, dass Gedanken sich im Kreis drehen und die Fantasie Szenarien ausmalt, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben. Manchmal zeigt sie auch, dass du einer Ahnung mehr trauen könntest, als du es gerade tust. Sie fragt, was du sicher weißt und was du dir gerade nur vorstellst.

Wie die Karte gelesen wird

Als Tageskarte steht der Mond für einen Tag, an dem Träume, Stimmungen und Bauchgefühl lauter sind als sonst und nicht jede Frage sofort eine Antwort braucht. In einer Legung mit drei Karten beschreibt er in der Vergangenheit oft eine Zeit der Unsicherheit, aus der du mit neuem Gespür herausgekommen bist. In der Gegenwart zeigt er, dass noch nicht alles sichtbar ist, und in der Zukunftsposition deutet er auf eine Phase hin, in der Intuition und Kreativität wichtiger werden als feste Pläne. Bei einer Beziehungsfrage beschreibt der Mond häufig unausgesprochene Gefühle, romantische Fantasien oder die Frage, was zwischen euch noch im Halbdunkel liegt.

Der Mond zeigt die Welt nicht falsch, nur anders. In seinem Licht wird die Fantasie wach, und er erinnert daran, dass auch der Weg im Halbdunkel ein Weg ist, der irgendwann zum Morgen führt.

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