Der Teufel (XV) im Tarot: Bedeutung, aufrecht und umgekehrt
Eine gehörnte Gestalt mit dunklen Flügeln hockt auf einem Sockel. Vor ihr stehen zwei Menschen mit kleinen Hörnern, an Ketten gebunden, doch die Ketten liegen so locker um ihre Hälse, dass sie sie abstreifen könnten. Im Marseille-Tarot ist es eine ganz ähnliche Szene mit zwei kleinen Gestalten. Das Bild wirkt dunkel, doch es erzählt vor allem von Gewohnheit. Der Teufel ist die Karte der Bindung: Gewohnheiten, Abhängigkeiten und alles, was dich festhält, oft mit deinem eigenen Einverständnis.
In der Tradition
Traditionell wird der Teufel als Verstrickung, Versuchung und Hang zum Materiellen gelesen. Er beschreibt Muster, die sich fest anfühlen, und Wünsche, die mehr Macht über dich haben, als dir lieb ist: eine Gewohnheit, ein Bedürfnis nach Kontrolle, eine Bindung, die eher hält als nährt. Doch die lockeren Ketten auf dem Bild sind der Kern der Karte: Die Fessel ist nicht so fest, wie sie scheint. Nach der Mäßigkeit, die das rechte Maß findet, zeigt der Teufel das Übermaß. Vor dem Turm, der Festgefahrenes aufbricht, steht er für das, was erst einmal erkannt werden will. Viele lesen ihn auch als Lebenshunger und Sinnlichkeit. Im Golden-Dawn-System gehört er zum Steinbock.
Umgekehrt
Umgekehrt beginnt die Kette sich zu lösen. Die umgekehrte Karte beschreibt oft den Moment, in dem du ein Muster erkennst und spürst, dass du nicht mehr mitspielen möchtest. Sie kann auch zeigen, dass eine Gewohnheit noch zieht, du aber schon dabei bist, sie zu hinterfragen. Auch Scham über ein Muster kann sich hier zeigen, und mit ihr die Erleichterung, es endlich anzuschauen. Manchmal fragt sie einfach, wo du dir mehr Freiheit nehmen könntest, als du dir bisher zugestehst.
Wie die Karte gelesen wird
Als Tageskarte steht der Teufel für einen Tag, an dem du ehrlich auf Gewohnheiten schauen kannst, auf das, was dich reizt, und das, was dich festhält. In einer Legung mit drei Karten beschreibt er in der Vergangenheit oft ein Muster, das sich lange wiederholt hat. In der Gegenwart zeigt er, dass etwas mehr Raum in deinem Leben einnimmt, als dir lieb ist, und in der Zukunftsposition deutet er auf eine Phase hin, in der eine Bindung sichtbar wird und damit lösbar. Bei einer Beziehungsfrage beschreibt der Teufel häufig starke Anziehung und Leidenschaft, aber auch Abhängigkeit oder Eifersucht, und fragt, ob beide sich frei füreinander entscheiden.
Verwandte Karten
Der Teufel hält nur, was du selbst festhältst. Die Ketten auf seiner Karte liegen locker, und gerade das macht sie so ehrlich: Sie zeigen, dass der Weg hinaus näher ist, als es scheint.
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